DJ Hardware im Wandel der Zeit

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    • DJ Hardware im Wandel der Zeit

      Hallo liebe Freunde der elektronischen Musik!

      Soeben ist mir beim Stöbern durch das Forum folgender Satz untergekommen, welcher mich 1. sehr aufgeregt hat und 2. dazu veranlasst hat die alte Grundsatzdiskussion wieder aufleben zu lassen:
      [..] Leute, die nur Digital mit Konsole oder Software arbeiten sind für mich keine DJs, sondern Entertainer [..]


      Erst einmal ein paar Infos zu meiner Person: Ich bin seit 2004 leidenschaftlicher Hobby-"DJ" (darf mich ja laut der obigen aussage nicht so nennen, aber dazu später mehr). Zwischen 2006 und 2010 besaß ich ein club-taugliches DJ Equipment bestehend aus einem Pioneer DJM-600, 2x CDJ-100, einem SynQ X-TRM1 Turntable und einer Hercues DJ Console, und habe mit diesem Setup auch einige (semi-)professionelle Auftritte absolviert.
      Meine Erfahrung kommt also nicht von ungefähr und hat durchaus Relevanz in dieser Diskussion.

      In den letzten Monaten meiner aktiven Zeit, sowie generell in den letzten 3 Jahren, ist mir aufgefallen, dass sich auf dem Gebiet "digitale DJ Controller" enorm viel getan hat. Meine DJ Console war zwar immer schon eher ein Spielzeug, aber trotzdem zumindest ne Zeit lang auch für größere Auftritte durchaus brauchbar. Als ich jedoch eines Tages im Jahre 2010 den DJ Store "Friendlyhouse" in Wien besuchte, fiel mir beim Betrachten der Controller-Abteilung buchstäblich die Kinnlade runter. Controller waren nicht mehr nur reine Abspielgeräte für die digitale Musiksammlung, sondern schon eigenständige, vollwertige DJ-Systeme in einer Nussschale! Ich wiederhole nochmal, dies war bereits im Jahr 2010.
      Leider war ich aufgrund widriger Lebensumstände bald darauf gezwungen, mein komplettes Equipment zu verkaufen und das Hobby erstmal an den Nagel zu hängen. Auch die technische Entwicklung habe ich danach nicht mehr weiterverfolgt.

      So, nun kommen wir zum wesentlichen Teil meines Threads: Anfang dieses Jahres keimte in mir der Wille auf, mein geliebtes Hobby erneut aufleben zu lassen und langsam wieder in die DJ Welt einzusteigen. Langsam deswegen, weil DJing nunmal ein sehr teures Hobby ist und ich finanziell sehr eingeschränkt bin. Ein analoges CDJ/Mixer Setup kam für mich daher erstmal nicht in Frage.
      Ich begann also, das Internet nach einem günstigen, aber dennoch brauchbaren DJ Controller zu durchforsten und traute meinen Augen kaum: Was 2010 für mich noch atemberaubend war, erschien im Vergleich zu den neuen Geräten wie ein schlechter Scherz. In der Zwischenzeit waren DJ Controller von Zweitgeräten zu multifunktionellen Allroundmischpulten mutiert, technisch auf dem absolut neuesten Stand und in einigen Fällen sogar eine ernst zu nehmende Alternative zu einem analogen Setup (z.B. Numark NS7, Pioneer DDJ-SX, Vestax VCI 380, Traktor Kontrol Z2). Die technischen Rafinessen und die hochwertige Verarbeitung der Endgeräte waren mit nichts, was ich bis dahin gesehen hatte, vergleichbar. Es gibt, gerade im Einsteigerbereich, analoge Mixer sowie CD-Player, welche im Preis-/Leistungsverhältnis nichtmal annähernd an diese Qualität herankommen.

      Der langen Rede kurzer Sinn: Ich komme zu dem Schluss, dass diese blödsinnige und arrogante Behauptung, Leute die mit Controller und PC auflegen seien keine ernst zu nehmenden DJs, einfach nicht (mehr) den Tatsachen entspricht. Leute die diese Meinung vertreten halten in meinen Augen stur an veralteten Prinzipien fest, die es in so in dieser Form nicht mehr gibt. Es wirkt fast so, als ob diese Menschen mal vor vielen vielen Jahren eine Bibel geschrieben haben und jetzt krampfhaft ihren Glauben vertreten wollen. Offensichtlich wollen manche nicht verstehen, dass nicht jeder einen Geldscheisser zuhause stehen hat und deshalb nicht mal eben so für ein DJ Setup 1000 - 1400€ locker machen kann.

      Die Frage, wer denn jetzt DJ ist und wer nicht, lässt sich mMn ganz einfach beantworten: JEDER, der in der Lage ist, seine Musiksammlung (egal ob auf CD, Vinyl oder am PC) in einigermaßen sinnvoller Weise vor größerem Publikum zu präsentieren, sowie grundlegendes Wissen in Beatmatching und dem Überblenden zweier Tracks besitzt, ist ein DJ. Punkt. Bitte findet euch damit ab, dass die Technik sich ständig weiterentwickelt und heutzutage eben nicht mehr jeder Song auf Vinyl gepresst wird. Es schadet nie, so wie in meinem Fall, auch mal an einem echten Deck zu üben und ein Gefühl für echtes Mixen mit Turntables und Mischpult zu bekommen, aber wirklich brauchen tut das ein DJ heutzutage nicht mehr. Und alle, die jetzt DVS schreien: Extrem(!!!!) teuer, kompliziert im Aufbau und absolut nicht mobil. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Wacht bitte aus eurem komatösen Prinzipientraum auf!

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    • RE: DJ Hardware im Wandel der Zeit

      solange man sich nicht auf die sync-buttons sondern aufs gehör verlässt, ist konsole ok
      ich werde mir trotzdem turnies kaufen (falls ich irgendwann mal geld haben sollte :D), weil das mixing mit console auf dauer langweilig wird ...
      bei analogem equip kann man auch sicher sein, dass sich dass programm nicht aufhängt oder der laptop nicht abstürzt :D
      was ich auch als nervig ansehe, ist, dass einige console-djs nur so mit (schlechten) effekten um sich schmeißen (im club habe ich es schon gehört, dass n dj ernsthaft dieses vdj-beatgrid den gesamten song lang an hatte -.-)
      check my soundcloud, bruh!
    • RE: DJ Hardware im Wandel der Zeit

      Danke für deine objektive und sachliche Antwort! Ist ja bei dieser Diskussion leider eine Seltenheit :D

      Du hast vollkommen Recht, der Sync-Button ist eines der größten Image-Probleme für die Controller. Manche sehen gerade darin den Untergang des DJ Handwerks. Ich persönlich kann dazu nur sagen: Wer vor hat, das DJing ernsthaft zu lernen und seine Ohren sinnvoll einsetzt, wird nach ein paar Wochen den Sync Button nicht einmal mehr mit dem Arsch ansehen :P. Ich bin bei meinem Numark Mixtrack Pro (jetzt nicht lachen, ich komme wie gesagt erst langsam wieder rein) sogar so weit gegangen, dass ich mittels Midi Mapping in Traktor dem Sync-Button eine völlig neue Funktion zugewiesen habe. Und ich weiss auch aus Gesprächen mit anderen DJs, dass so ziemlich jeder im professionellen Bereich es so handhabt. Der Button gehört halt nunmal zur Grundausstattung eines DJ Controllers, das ist quasi "evolutionsbedingt", aber wirklich verwenden tun ihn die wenigsten!!!

      Langweilig sind meiner Meinung nach wenn überhaupt nur kleinere Controller. Die technischen Spielereien sind begrenzt und es ist auch von der Handhabung nicht so komfortabel. ABER: ich bin schon mal vor einem Pioneer DDJ-SX gestanden und kann dir versichern, dass dir da so schnell nicht langweilig wird ;)!!! Ist vom Spaßfaktor her zu vergleichen mit einem DJM800 + CDJ1000 Setup. Beim Numark NS7 hast du sogar Jogwheels, die sich drehen und nen echtes Turntable simulieren, wenn das mal nicht geil ist dann weiss ich auch nicht :D

      Beim Auflegen von Musik besteht immer ein Risiko puncto technische Ausfälle. Ich würde das aber nicht auf PC-Probleme beschränken. Wenn ich es finde, kann ich dir ein Link zu einem Youtube Video schicken, wo ein DJ bei einer Hochzeit mit seinem analogen Setup auflegt (also CDJ's und ein ganz normaler Mixer) und im Laufe des Auftritts ca. 20 mal der Strom ausfällt. Und hier kommt das entscheidende Argument: mit einem Controller wäre das nicht passiert, da 90% ausschließlich mittels USB mit Strom versorgt werden, und der Laptop im Falle einer Stromunterbrechung noch genügend Saft besitzt um einen Stromausfall zu überstehen! Einzig die PA-Anlage ist dann nicht zu gebrauchen, aber gerade in kleineren Räumen kann man zumindest kurzfristig batteriebetriebene Boxen in Erwägung ziehen. Wichtig vor allem: Der DJ in dem video musste jedesmal das Set von neuem beginnen, die Lieder wieder von Anfang an spielen und kam dadurch ziemlich aus dem Konzept. Bei einem Controller drückt man einfach Pause, wartet bis das Licht wieder angeht und spielt ungehindert weiter! Du siehst worauf ich hinaus will: Man ist einfach flexibler und das wird über kurz oder lang der entscheidende Faktor für DJ consolen sein.

      Ooooh ja, das mit den Effekten musste ich leider auch schon am eigenen Leib erfahren :D Ne kleine Landdisco, verraucht und schmierig, und der DJ hatte nichts besseres zu tun, als seine Reloop Console mit seinem Herumgedrehe und Gedrücke an den Effektknöpfen regelrecht zu vergewaltigen!! Ich musste fast kotzen bei dem Klang, der sich meinem leidgeplagten Ohr bot :schuettel:

      Gott sei dank sind solche Möchtegerns aufgrund der technischen Weiterentwicklung der Controller schon am Aussterben. Ich weiss, dass der Resident DJ in meinem Lieblingsclub mal klammheimlich über Nacht von CDJ1000 und Pioneer DJM600 auf nen Numark NS6 mit Serato umgestiegen ist, und kann dir sagen: Der Unterschied ist absolut NICHT zu hören! Im Gegenteil, ich habe das Gefühl die Musik ist dadurch sogar nen Zacken geiler geworden, da er ziemlich gut mit den Effekten umgehen kann und sie genau an den richtigen Stellen einsetzt ;)
    • RE: DJ Hardware im Wandel der Zeit

      Nichts gegen den Fortschritt der Technik aber das Mixen mit Vinyl hat mir mehr spass gemacht als das Mixen mit den div. Mix Consolen.
      Es ist mit solchen in meinen Augen einfach keine Kunst mehr und nur die wenigsten Nutzer dieser verzichten auf den Sync Button.
      Jeder sollte für sich entscheiden, welches Equipent für sein Hobby den besten Vorteil mit sich bringt.
      Der eine ist bereit mehr zu sparen und zu Investieren als manch anderer.
      Solche Consolen mit der mit gelieferten Software findet man mittlerweile schon in manchen Großraum Diskotheken,
      trotzdem muss nicht jeder ein Freund von diesen sein oder werden.
      Das hat für mich nichts mit alten Ansichten zu tun, sondern etwas mit der eigenen Erfahrung.
    • RE: DJ Hardware im Wandel der Zeit

      Needle schrieb:


      Nichts gegen den Fortschritt der Technik aber das Mixen mit Vinyl hat mir mehr spass gemacht als das Mixen mit den div. Mix Consolen.
      Es ist mit solchen in meinen Augen einfach keine Kunst mehr und nur die wenigsten Nutzer dieser verzichten auf den Sync Button.
      Jeder sollte für sich entscheiden, welches Equipent für sein Hobby den besten Vorteil mit sich bringt.
      Der eine ist bereit mehr zu sparen und zu Investieren als manch anderer.
      Solche Consolen mit der mit gelieferten Software findet man mittlerweile schon in manchen Großraum Diskotheken,
      trotzdem muss nicht jeder ein Freund von diesen sein oder werden.
      Das hat für mich nichts mit alten Ansichten zu tun, sondern etwas mit der eigenen Erfahrung.
      Selbstverständlich geht immer noch nichts über das Mixen mit Vinyl. Keine Console der Welt ist so gut dass sie dieses Feeling vollständig ersetzen kann. Ich wollte damit lediglich zum Ausdruck bringen, dass es inzwischen schon echt gute DJ Controller gibt und der Markt schon lange über Nischenprodukte hinaus gewachsen ist. wie du selbst sagst, die einen sind bereit mehr zu Investieren, nur manche müssten dafür schon etliche Jahre sparen um sich den "DJ Traum" erfüllen zu können!
    • RE: DJ Hardware im Wandel der Zeit

      Traurig ist: ich lege demnächst wieder auf einer größeren Veranstaltung auf. Der Veranstalter hat uns darum gebeten, wenn wir Plattenspieler bräuchten, unsere eigenen mitzubringen. Früher war es üblich dass zwei 1210er und ein Mischpult im Club standen. Die Denon doppel CD Player sind eigentlich nur eingestaubt. Zwischenzeitlich standen zwei 1210er, 2 Pioneer CDJ und ein Mixer im Club. Heute muss man wirklich ernsthaft anfragen ob Plattenspieler parat stehen oder nicht... Ich bin zwar auch nicht abgeneigt mit Traktor zu spielen, aber wenn dann nur in Verbindung mit Plattenspielern. Darf ja jeder auflegen wie er will... Aber wenn man von Veranstaltern und Clubbetreibern, wie schon erwähnt wurde, hört dass Djs nur Djs sind wenn sie mit Plattenspielern auflegen, warum stehen dann keine in ihren Läden und bei deren Veranstaltungen?! Der Witz ist ja dass bei oben erwähnter Veranstaltung ausdrücklich darum gebeten wurde nicht mit Controller angehoppelt zu kommen. Schon paradox irgendwie ;)
    • RE: DJ Hardware im Wandel der Zeit

      orbit303 schrieb:


      Traurig ist: ich lege demnächst wieder auf einer größeren Veranstaltung auf. Der Veranstalter hat uns darum gebeten, wenn wir Plattenspieler bräuchten, unsere eigenen mitzubringen. Früher war es üblich dass zwei 1210er und ein Mischpult im Club standen. Die Denon doppel CD Player sind eigentlich nur eingestaubt. Zwischenzeitlich standen zwei 1210er, 2 Pioneer CDJ und ein Mixer im Club. Heute muss man wirklich ernsthaft anfragen ob Plattenspieler parat stehen oder nicht... Ich bin zwar auch nicht abgeneigt mit Traktor zu spielen, aber wenn dann nur in Verbindung mit Plattenspielern. Darf ja jeder auflegen wie er will... Aber wenn man von Veranstaltern und Clubbetreibern, wie schon erwähnt wurde, hört dass Djs nur Djs sind wenn sie mit Plattenspielern auflegen, warum stehen dann keine in ihren Läden und bei deren Veranstaltungen?! Der Witz ist ja dass bei oben erwähnter Veranstaltung ausdrücklich darum gebeten wurde nicht mit Controller angehoppelt zu kommen. Schon paradox irgendwie ;)
      ist schon alles sehr paradox, da hast du Recht!! Das liegt glaub ich an der momentanen "Übergangsphase" der verschiedenen DJ-Techniken. Die einen halten wie gesagt an den Plattenspielern fest, die anderen glauben immer noch, dass CD das Medium schlechthin ist und knallen irgendwelche CDJs hin (DJ-CD Player sind heutzutage mMn einfach nurmehr unnötig!), wieder andere (so wie ich :D) sind eben der Meinung, dass ein Controller inzwischen schon alle Vorteile vereint und somit effizienter ist. Am Besten fahren Veranstalter vermutlich trotzdem noch mit Plattenspielern, weil hier sowohl die Mehrheit der "alt-eingesessenen" DJs, als auch die MP3-Generation auf ihre Kosten kommt, die dann einfach nur ihr Timecode Setup anstöpseln und gut ist. Und für den Laien sieht es trotzdem so aus, als ob die dann "nur" mit Plattenspielern auflegen, womit die von dir erwähnte Forderung auch wieder erfüllt wäre :D
    • RE: DJ Hardware im Wandel der Zeit

      Auch wenn der Thread etwas älter ist, bin ich grad drüber gestolpert und muss auch mal ne Kleinigkeit dazu schreiben :)

      Ich sehe das eigentlich genauso - es ist eigentlich völlig egal WOMIT ein DJ auflegt, sondern WIE er das tut. Das ist auch den Leuten völlig egal, Hauptsache das Set passt und die Leute feiern. Ob der DJ dazu nur Knöpfe drücken muss oder Platten wechseln, spielt für die Gäste/Hörer keine Rolle.

      Aus der DJ-Sicht sieht das vielleicht ein wenig anders aus - wir wissen, dass man mit Software-Unterstützung deutlich einfacher einen technisch einwandfreieren Übergang hinbekommt als rein analog mit Vinyls. Und das man bei letzterem viel mehr Übung und Arbeit hineinstecken muss als - salopp gesagt - mit der SYNC-Taste des Controllers. Aber - who cares? Das Set muss stimmig sein. Wenn man dafür kein Gefühl hat, bringt auch die beste Software mit Controller nichts mehr. Die Übergänge sind ja nur ein kleiner Teil! (Der allerdings zugegeben in der Webradio-Landschaft beim reinen (Zu-)Hören etwas an Bedeutung gewonnen hat im Gegensatz zu Clubs, wo die Atmosphäre viel beiträgt.)

      Ich persönlich habe auch mit Controllern angefangen (war halt auch günstiger) und bin nach dem Wechsel auf CD-Playern auch bei Vinyls gelandet - einfach weil das mehr Spaß macht. Ist halt ein ganz anderes Feeling, ob man Knöpfe und Regler dreht oder den Song praktisch in der Hand hält. Und ja, man merkt schon, dass der Anspruch steigt, einen perfekten Übergang zu schaffen. Es fehlen halt sämtliche Anzeigen und Funktionen wie das Skippen von Takten (mal schnell einen zusätzlichen Takt 9 ausgleichen), schnelle Songwahl oder das Springen zum Cue, wenn der Übergang doch noch kurz warten soll. Timecode hier mal teilweise ausgenommen - aber wie gesagt, es ist durch diese kleinen Herausforderungen macht es auch mehr Spaß ;)

      Nichts destotrotz ist das eine individuelle Sicht. Und was letztendlich entscheidet der Gast/Hörer, was abgeht, was den Flow hat. Und das hängt wie gesagt vom DJ und nicht seiner Technik ab.
    • RE: DJ Hardware im Wandel der Zeit

      Ich würde dir gerne recht geben, allerdings zeigt sich meiner Meinung (und Erfahrung) nach tendenziell, dass ein DJ, der ausschließlich per Gehör auflegt, wesentlich besser auflegt als in "Sync-DJ".
      Klar gibt es Ausnahmen, aber um "Sync-DJ" zu werden braucht man halt keinerlei Fähigkeiten, was meistens darin endet, dass ein grottiger Track den nächsten jagt, während der klassische DJ sich erstmal in das Thema einarbeiten muss, bevor überhaupt was halbwegs vernünftiges zustande kommt.

      Niels Ericson @ Facebook YouTube Mixcloud & Soundcloud

    • Wir hatten das Thema vor kurzem auch. Die Technik hat sich in der Tat sehr gewandelt.
      Ich war auch sehr erstaunt, was alles möglich ist. Als ich mir den Rane 62 gekauft habe, hatte ich schon einen überschuss an Funktionen,
      die ich aber nach und nach kennenlernte - kein Vergleich zum alten Rane 56s, der nicht eine Effekt Funktion hat.

      Vor kurzem habe ich mit dem neuen DJM S9 von Pioneer aufgelegt und der hat ja nochmal mehr Funktionen wie der Rane 62.

      Zum einen finde ich das einen großen Vorteil, da man echt geile Sachen mit dem Ding anstellen kann, zum anderen hat sich die Hardware aber auch so komplex entwickelt, dass viele Kollegen, welche eben nicht so Technik versiert sind garnichtmehr damit klar kommen.

      Wer kennt es nicht? Man steht im Club, will das nächste Lied reinspielen und es kommt kein Ton und man muss in Eile in 2-3 min die das andere Lied läuft eine Problemlösung finden - dann ist sie oft so Simple weil einfach nur irgendein Effekt noch eingeschaltet war.

      Zum Thema Sync Knopf habe ich inzwischen zwei Ansichten. Was uns das Geschäft sicherlich ein wenig kaputt gemacht hat ist, dass jeder Depp mit einer Konsole "einigermaßen gut" auflegen kann, zumindest die Tracks sauber in einander mischen kann. Dadurch ist der Markt nur so überflutet von DJs und denen die meinen sie wären welche. Mir sind schon selbst 1-2 Bookings weggefallen, weil der Club kein so hohes Budget mehr hat, da auch weniger Leute weggehen und diese dann auch keine großen Ansprüche stellen. Wenn also ein Newcomer mit Controller der seit 1 Monat mit der SYNC Taste Übergänge machen kann (mal übertrieben dargestellt ;) ) und die Leute es nicht interessiert ob da jetzt jemand steht mit viel Erfahrung oder eben dieser Newcomer dann überlegt sich der Clubbetreiber natürlich irgendwann warum er soviel Gage ausgeben soll wenn es doch jemanden gibt der 1/10 der Gage nimmt oder für Gästeliste und Freigetränke auflegt - er ist zwar nicht so gut wie der Profi - aber dennoch funktioniert der Abend.

      Wichtig ist für mich, dass jemand auch ohne kann. SYNC Knopf aus Faulheit oder weil man es nicht anders hinbekommt zu benutzen ist für mich ein No-Go.
      Wenn man aber z.B. ein Showcase macht (was natürlich weniger im Club, sondern ehr auf Wettbewerben der Fall ist) und hier manchmal innerhalb von wenigen Sekunden die Tracks oder Beats wechseln muss, dann kann der SYNC Knopf schon eine nützliche Funktion sein um sich auf andere Funktionen als aufs Beatmatching zu konzentrieren.

      Das Auflegen hat sich einfach genauso wie die Musik gewandelt. Früher hatte man keine Effekte, kein Echo, kein Flanger, kein Cue Points - die Leuten haben gefeiert und waren glücklich. Heute kommen teilweise Leute an und sagen "der legt total unsauber auf", wenn mal jemand mit einem alten Mixer z.B. oder von Original Vinyl spielt, da die Leute es gewohnt sind sonst einem DJ zuzuhören, der die komplette Effekt Sektion des Mixers ausnutzt. Finde ich schade, habe ich aber selbst bei einem Kollegen bereits so mitbekommen. Man muss halt mit der Zeit gehen, sollte aber bevor man sich mit neuartigen, abgespaceten Funktionen und Effekten auseinandersetzt immer vor Augen halten wo das ganze herkommt und die Basics kennen und beherrschen.

      Wer noch nichtmal 2 Vinyls zusammenmixen kann, der braucht sich auch nicht mit irgendwelchen Roll Loops, Slicer Tools, Pitch'n'Time und ähnlichen Funktionen, die mit aktueller Software und Hardware möglich ist auseinander setzen.

      ✌️
    • Einen guten DJ zeichnet mMn aus, dass er die richtigen Tracks bez. Publikum/Stimmung/Uhrzeit/Location/Party spielt - und diese sinnvoll und sauber miteinander verknüfen kann. Wer dazu in der Lage ist, beschert seinem Publikum/Gästen eine gute Zeit und das ist was unterm Strich zählt.

      Oftmals ist es aber leider so, dass die "Controller-Kiddies" genau das nicht beherschen. Grade bei Genre unspizifischen Partys, mit einem jüngeren Publikum (Großraum Disse, Abipartys etc.), habe ich mich in den letzten Jahren oftmals gefragt, was den DJ für seinen Job qualifiziert hat. Die durch Sync gewonnene Zeit, sollten solche Leute also wirklich darein investieren, sich zu überlegen welche Tracks sie spielen, wie man sinnvoll zw. Genres wechselt, etc.

      Was MarcoS geschrieben hat, macht Sinn - jem. der mit Vinyl auflegen kann hat tendenziell mehr Zeit in die Materie investiert und beherscht oben genannte Forderung somit auch wesentlich besser.

      Ich persönlich betreibe das DJing nur als Hobby, klassischer "Bedroom DJ" halt. Ich habe auch mit Controllern angefangen und auch immer Sync verwendet, warum auch nicht - den Unterschied hört man hinterher eh nicht. Mittlerweile habe ich CDJs und habe mir damit das Beatmatching doch halbwegs angeeignet, da Sync ja nur funktioniert, wenn die Tracks in Rekordbox alle richtig analysiert wurden (Beatgrid richtig gesetzt etc.) Aber selbst wenn das der Fall ist, hat Sync nicht immer ganz richtig funktioniert, weswegen ich mich darauf nicht mehr verlassen wollte. Ohne Cue und Loops, oder anderem Equipment, würde ich es aber auch (noch) nicht hinbekommen.

      Früher konnte man oben genannte Forderung nicht ohne analoges Beatmatching erfüllen, heute finde ich es aber absolut nicht schlimm Sync zu benutzen, solange man oben beschriebenes drauf hat. Ob dem DJ das mit Vinyl, oder mit Laptop & Sync gelingt, ist für mich als Gast unrelevant.